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Anger Issue(s) no 2

Essays · Anger issue(s)

5 auf die 12

Die machen ihr Ding. Wir haben die DIN.

Die Schlagzeilen überschlagen sich. Die Uhr steht 5 vor 12. Beim Klima, in der Wirtschaft, die Fachkräfte, der Wohlstand, die Rente. Alles kurz vorm Kipppunkt. Und das schon seit Jahrzehnten.
Uhren die so lange eine Uhrzeit zeigen, sind weder im Takt noch intakt. Sie sind kaputt.

Es steht nicht 5 vor 12, es ist schon längst ein neuer Tag.
Der letzte Uhrmacher über alle Berge, dorthin, wo es Arbeit und Perspektiven gibt.

Auch die kaputte Uhr liegt einmal täglich richtig, das stimmt nur, wenn das Murmeltier uns täglich grüßt. Nun ist kaum einer so gut darin, sich etwas vorzumachen, wie wir. Die besten Augen nützen nichts gegen studierte Betriebsblindheit.

Denn die hat schließlich Diplom und was Hans einmal gelernt hat, das vergisst er nimmer mehr. Schade eigentlich, denn es gibt so einigen Stuss, den wir lieber in die Tonne treten sollten. Die eigene geistige Unbeweglichkeit steht da ganz vorne.

Nun sollte das Fehlen eines Sinnes (des Sehens) die anderen Sinne schärfen. Doch Betriebsblindheit ist tückisch, sie schärft nicht sondern stumpft uns ab und steckt uns Watte in die Ohren, damit wir bloß nicht hinhören. Schon gar nicht auf uns selber.

Das haben wir ohnehin gründlich verlernt. Oder in vielen Fällen im Keim erstickt. Denn die Saat der Neugierde bringt Unheil. Eigensinn, Initiative, Forderung, das ganze Individuum eben. Damit haben wir es nicht so. Das wir gewinnt – eben nur, wenn das ich verliert. So die alte Rechnung. Dass Gegensätze sich anziehen und sogar synthetisieren lassen hat man wohl elegant unter den Teppich gekehrt. Oder weiß es wirklich nicht.

Unwissenheit gilt nur den Einfältigen als Segen und davon haben wir mehr als genug. Doch auch ohne geistige Dünnbrettbohrer und Luftschlossarchitekten ist es schon herausfordernd.

Die Könner werden selten, sie haben den Takt der Zeit längst gehört. Und die läuft hier ab. Nicht für alle, das Mecca ist auch ohne Islam zu uns gekommen, wenn man Compliance liebt. Die Herrschaft des Büros obsiegt.

Schade für alle, die gerne was mit Hirn und Hand machen. Denn Bewegung ist etwas für Menschen, die den Takt verstehen. Die mit der Zeit gehen, sie als eigenwilligen und ungehorsamen Tanzpartner verstehen, tonangebend wissen und sich fallen lassen können. Mit Unsicherheit tanzen, was ein Traum.

Aber eben nicht für viele.

Und da liegt der Hund begraben. Gleich neben der kaputten Uhr von Annodazumal.


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